Die Gewürznelke (Syzygium aromaticum)

Die Gewürznelke (Syzygium aromaticum, Eugenia caryophyllata, Caryophyllus aromaticus) gehört zur Familie der Myrtaceae (Myrtengewächse), eine Pflanzenfamilie, die sich durch terpenreiche ätherische Öle auszeichnet und zu der neben der Nelke auch Pimenta dioica (Piment, Allgewürz, Nelkenpfeffer, Neugewürz), Eugenia polyantha (Indonesischer Lorbeer) und natürlich Myrtus communis (Myrte) gehören.

Der Gewürznelkenbaum ist ein immergrüner Baum von 10-15 m Höhe mit lorbeerähnlichen, ledigrigen Blättern und weißen Blüten. Die Zweige bilden an ihren Enden ab dem sechsten Jahr bis etwa zum sechzigsten Jahr reichblütige Trugdolden. Geerntet werden die noch geschlossenen grünen Blütenknospen, die unter der Epidermis des unterständigen Fruchtknotens und des Kelches Öldrüsen enthalten. Nachdem die Knospen kurz in heisses Wasser getaucht wurden, läßt man sie an der an der Sonne oder am Feuer trocknen. Pro Baum können pro Jahr etwa 2-4 kg geerntet werden.
Der Nelkenbaum ist ursprünglich auf den Molukken heimisch, eine indonesische Inselgruppe zwischen Sulawesi und Neuguinea, die auch als Gewürzinseln bekannt waren. Interessanterweise werden die meisten Gewürznelken in ganz Indonesien heutzutage nicht verzehrt, sondern in Form von Nelkenzigaretten (Kretek) geraucht.

Die Qualität der Nelken kann man auf zweierlei Art feststellen. Sie sollten sich fettig anfühlen und Öl absondern, wenn man gegen ihren Stiel drückt. Man kann auch einen Schwimmtest durchführen und die Nelken ins Wasser werfen. Anders als beim mittelalterlichen Hexentest (sinkt die Deliquentin, war sie eine Hexe, schwimmt sie oben, war sie eine gute Frau), sinken hochwertige Nelken oder stellen sich zumindest senkrecht mit dem Köpfchen nach oben. Schlechte (mehr oder weniger entölte) Nelken schwimmen hingegen waagerecht auf der Wasseroberfläche.
Von 1963-1964 gab es sogar einen Kleinstaat, der zwei Nelkenknospen in der Staatsflagge führte, das Sultanat von Sansibar und Pemba.
70-85% des ätherischen Öls der Gewürznelken bestehen aus Eugenol (4-Allylguaiacol, 2-Methoxy-4-(2-propenyl)phenol [oder ist 2-Methoxy-4-(2-propen-1-yl)phenol doch die korrektere Bezeichnung nach IUPAC?], der Rest entfällt auf Eugenolacetat (rund 15%) und β-Caryophyllen (5-12%).
Aus Eugenol wurde übrigens bis vor etwa fünfzig Jahren Vanillin hergestellt. Erstmalig wurde 1896 das Eugenol isomerisiert zu Isoeugenol und durch Oxidation erhielt man Vanillin (4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd, 4-Hydroxy-3-methoxybenzolcarbaldehyd):

Weitere, ausführliche Informationen zur Gewürznelke finden sich auf Gernot Katzers Gewürzseiten.
Die erste Zeichnung findet sich übrigens in dem Buch A Curious Herbal, die zweite Zeichnung stammt aus Franz Eugen Köhlers Medizinal-Pflanzen und das Photo ist eine eigene Aufnahme.

 

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