Gnocchi mit Kirschtomaten auf Rauke und Portulak mit Kürbiskernen

Im mondänen Hamburg-Hamm gibt’s zweimal die Woche einen etwas rustikalen Wochenmarkt in einer Straße mit einem dieser beknackten Hamburger Straßennamen (Bei der Vogelstange). Am Freitag entdeckte ich, als ich mir Rauke kaufen wollte, auch ein anderes Grünzeug, dessen Namen ich zwar kannte, aber das war’s dann auch.

Da ich gern mal neue (bzw. mir unbekannte) Lebensmittel ausprobiere, habe ich neben 100g Rauke auch 100g Portulak gekauft. Portulak (Portulaca oleracea ssp. sativa) ist auch als Postelein, Sommerportulak, Gewürzportulak, Gemüseportulak, Burzelkraut, Bürzelkraut, Bürzelkohl, Kreusel oder Sauburtzel bekannt. Passenderweise gehört Portulak zur Familie der Portulakgewächse (Portulacaceae), das kann man sich einfach merken und es führt auch nicht zu Verwirrungen.

Intensive Internetrecherchen ergaben dann, daß ich recht jungen Portulak gekauft hatte, der gerade einmal ein paar an Ginkgo-Blätter erinnernde Keimblätter an länglichen Stielen hervorbrachte. Vielleicht war das auch der Grund, warum mich der Geschmack nicht begeisterte, es schmeckte nur irgendwie knackig und grün. Von dem in der Wikipedia beschriebenem Geschmack (”leicht säuerlich, salzig, erfrischend und erinnert an den Geschmack von Sauerampfer“) merkte ich leider kaum etwas.
Interessant ist auf jeden Fall die Geschichte des Portulaks. Die Wildform stammt aus Vorderasien, Portulak wurde aber schon von den alten Ägyptern als Gemüse und Heilpflanze genutzt. In Europa war er im Mittelalter recht verbreitet, aber wie z.B. auch Pastinaken, fristet er heutzutage ein Nischendasein. Portulak zeichnet sich durch seinen hohen Gehalt an Ascorbinsäure (Vitamin C) aus (bis zu 22mg/100g) und durch das Vorhandensein von Omega-3-Fettsäuren sowie im speziellen der Eicosapentaensäure.
Hier noch eine (etwas aufbereitete) Zeichnung des Gemeinen Portulaks aus denm Buch Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé.

Rauke (Eruca sativa) ist da schon etwas bekannter und beliebter, besonders unter der italienischen Bezeichnung Ruccola. Auf einem rustikalen Wochenmarkt kauft man allerdings Rauke, die ist dann auch sicher preisgünstiger als versnobbter Ruccola. Ein beliebtes Spiel meinerseits ist es hin und wieder, Leute zu fragen, ob sie lieber Rauke oder Ruccola essen, oder Rapunzel oder Feldsalat…bei automatischen Übersetzungsprogrammen sind die aus Rauke gewonnen Raketensalate auch recht beliebt, heißt Rauke im Englischen u.a. rocket salad.

Nach so viel Rumgeschwurbel kommen wir nun zum eigentlichen Rezept für die Gnocchi mit Kirschtomaten auf Rauke/Ruccola und Portulak. Die Mehrheit der Zutaten sind im obersten Bild zu sehen: Kartoffeln (in Ermangelung weichkochender habe ich Linda genommen und diese eher festkochende Sorte einfach etwas länger gekocht), Kirschtomaten, Rauke, Portulak, Chilis und eine Knoblauchzehe. Nicht auf dem Bild sind Kürbiskerne, Kürbiskernöl, Weizenmehl, ein Hühnerei, Olivenöl, Muskatnuß, Zitronengras, Balsamicoessig, Pfeffer und Salz.
Wie schon angedeutet werden die Kartoffeln (ungeschält) gekocht, bis sie weich sind. Das stellt man am einfachsten fest, indem man kurz mit einer Gabel in die dickste Kartoffel sticht. Wasser abgiesen und die Kartoffeln unter Ausnutzung der Restwärme der Herplatte trocknen und anschliessend etwas auskühlen lassen. Allerdings nicht zu lange. Die noch warmen Kartoffeln pellen und anschliessend mit dem Kartoffelstampfer gut zerkleinern. Es dürfen ruhig ein paar kleine Kartoffelstückchen übrig bleiben. Es reicht, wenn die Masse einigermaßen homogen ist.

Dazu reibt man nun Muskatnuß nach Belieben, gibt ein Ei hinzu und knetet unter Zugabe von Mehl daraus einen lockeren Teig, der nicht mehr allzu sehr an den Händen bzw. der Arbeitsfläche kleben sollte. Aus dem Teig formt man eine längliche Wurst, schneidet ungefähr gleichgroße Stücke ab, die man ein wenig in Gnocchi-Form trimmt. Das hat bei mir nicht so ganz geklappt, es wurden eher längliche schupfnudelähnliche Teiglinge. Zur Verzierung drückt man noch die Zinken einer Gabel auf die Teiglinge.

Das kann dann so wie hier gezeigt aussehen. Wenn man die Gnocchi nicht sofort kocht, sollte man diese ordentlich in Mehl wenden, damit sie nicht auf der Arbeitsfläche (bei mir war’s ein Marmorbrett) kleben bleiben.

Ich mußte ja nun erstmal die wohlgeformten Gnocchi photographieren. Und nebenbei die anderen Zutaten vorbereiten, so daß ich die Gnocchi nicht gleich ins kochende Wasser geben konnte.
Da ich noch Zitronengras im Kühlschrank hatte, das auch mal benutzt werden will, habe ich eine Stück (eine Stange?) Zitronengras genommen, das untere Ende abgeschnitten und den Rest kreuzförmig eingschnitten zwecks Vergrößerung der Oberfläche. Das Zitronengras habe ich dann in einen Topf mit Wasser gegeben und ein wenig vor sich hinkochen lassen, bis ein deutliches Zitronengrasaroma die Küche durchzog.

Derweil habe ich die Cherrytomaten halbiert, die Chilischoten und den Knoblauch kleingehackt sowie Rauke und Portulak gewaschen und kleingeschnitten. Rauke und Portulak wurden dann mit 2-3 Eßlöffeln Kürbiskernöl gut durchgemischt. In der Zwischenzeit kochte das Wasser fleissig vor sich hin, so daß man die Gnocchi nach und nach hineingeben konnte. Um ein Zusammenkleben der Teigwaren bzw. ein Ankleben am Boden zu verhindern, empfiehlt es sich nach der Zugabe immer kurz mit einem Holzspatel oder -löffel umrühren. Sind die Gnocchi fertig, schwimmen sie oben. Ich habe sie dann mit einer Suppenkelle in ein Sieb gegeben und abtropfen lassen.
In einer Pfanne röstet man nun einige Kürbiskerne in Olivenöl. Währenddessen gibt man noch 2-3 Eßlöffel Balsamicoessig zu dem Rauke-Portulak-Gemisch und vermischt das ganze gut. Zu den Kürbiskernen gibt man dann die abgetropften Gnocchi, schwenkt diese etwas in der Pfanne, gibt die Chilis-Knoblauch-Mischung hinzu und zum Schluß noch die Kirschtomaten.

Den Salat füllt man in große Pastateller. Mittels eines Eßlöffels schiebt man die Rauke/Portulak-Mischung so zurecht, daß in der Mitte ein Loch entsteht. Dahinein gibt man dann die Gnocchi-Tomaten-Mischung.

Zum Schluß noch mit etwas Pfeffer aus der Pfeffermühle und Salz abschmecken und nach dem Ablichten des Mahles kann man die Gnocchi mit Kirschtomaten auf Rauke und Portulak mit Kürbiskernen dann auch endlich verzehren. Alternativ könnte man das natürlich auch als plattgedrückte, längliche Kartoffelklöße verkaufen…aber das Ohr ißt ja mit.

Das ganze ist zwar recht aufwendig (besonders was den Verbrauch an Geschirr angeht - und ich hasse es, abzuwaschen), schmeckt aber sehr lecker.






30/7/2010 17:15
Dass der Portulak anders schmeckte als erwartet, lag wohl daran, dass es keiner war, sondern vielmehr Claytonia perfoliata syn. Montia perfoliata, der sog. Winterportulak.
Bei der Zeichnung handelt es sich allerdings tatsächlich um Portulaca oleracea, den Gemüseportulak. Der schmeckt auch so wie beschrieben. Wächst in unserem Garten (sandiger Boden) als willkommenes Unkraut und ist äußerst hartnäckig und robust.
Gruß
Annette Richter