Sternanis (Illicium verum)

Sternanis ist sicher eines der auffälligsten Gewürze, das man sofort erkennt, egal ob auf einer Packung nun Anis étoilé, Anis de la Chine, Badayan, Anís estrellat, Badián oder was auch immer steht.
Die Fruchtform wird als Sammelbalgfrucht bezeichnet. Früchte von Quitte, Birne oder Apfel sind weitere Formen von Sammelbalgfrüchten. Beim Apfel spricht man allerdings meist von einer Sonderform, der Apfelfrucht.

Illicium verum gehört zur Pflanzenfamilie der Illiciaceae, der Sternanisgewächse, die wiederum zur Unterordnung der Magnoliales gehören. Zu dieser Unterordnung gehört z.B. auch die Familie der Myristicaceae, deren bekanntester Vertreter die Muskatnuß (Myristica fragrans) ist. Eng verwandt mit dem auch als Echter Sternanis bekannten Illicium verum ist der giftige Illicium anisatum (Japanische Sternanis, Shikimifrucht). Interessanterweise wird analytisch zur Unterscheidung zwischen Früchten des Echten Sternanis und des Japanischen Sternanis der Gehalt an Myristicin herangezogen, das sich nur beim Japanischen Sternanis nachweisen läßt. Myristicin ist aber auch ein wesentlicher Bestandteil im ätherischen Öl der Muskatnuß. Myristicin besitzt halluzinogene Eigenschaften. Allerdings reichen die in der Muskatnuß vorhandenen Mengen nicht aus, einen Rausch herbeizuführen.
Hier eine Illustration des Japanischen Sternanis aus Köhlers Medizinal-Pflanzen:

Shikimifrucht weist auch gleich auf einen anderen Bestandteil der Sternanise hin, die Shikimisäure. Aus Shikimisäure gewinnt man Oseltamivir, das auch als Tamiflu bekannt ist und zur Therapie der Influenza verwendet wird. Auch Echter Sternanis enthält Shikimisäure, allerdings ist für die Gewürzwirkung das enthaltene Anethol viel wichtiger.

Anethol (1-Methoxy-4-(1-propenyl)-benzol) leitet sich vom altgriechischen Wort anethon (Dill) ab. Es ist mit 80 bis 90% der überwiegende Bestandteil von ätherischen Anis- und Sternanisölen. Anethol ist in Wasser kaum löslich, sehr gut jedoch in Ethanol (Alkohol) im Verhältnis 1:2.

Diesen Effekt der guten Löslichkeit in Alkohol und der schlechten Löslichkeit in Wasser kann man sehr gut bei Getränken mit einem hohen Anetholanteil beobachten wie z.B. Pastis (dort stammt das Anethol meist aus einer Mischung von Sternanis und Anis) oder Absinthe (zumindest qualitativ hochwertige Absinthe verwenden nur Anis und keinen Sternanis). Nach dem Verdünnen mit Wasser trüben sich diese Getränke. Das ist auch als Louche-Effekt bekannt. Und wer seine Mitmenschen wirklich beeindrucken will, widmet sich zudem noch dem Tyndall-Effekt.

In der Küche ist Sternanis vor allem als Bestandteil des chinesischen Fünf-Gewürze-Pulvers bekannt. Dieses enthält meist zu gleichen Gewichtsanteilen Sternanis, Zimt, Gewürznelken, Fenchel und Szechuanpfeffer. Aber auch als Bestandteil von selbstgemachten Currypulvern ist Sternanis zumindest bei mir recht beliebt.




70-85% des ätherischen Öls der Gewürznelken bestehen aus Eugenol (4-Allylguaiacol, 2-Methoxy-4-(2-propenyl)phenol [oder ist 2-Methoxy-4-(2-propen-1-yl)phenol doch die korrektere Bezeichnung nach IUPAC?], der Rest entfällt auf Eugenolacetat (rund 15%) und β-Caryophyllen (5-12%).




