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Das Nachmachen und Klauen von Ideen

Was nichts kostet, taugt auch nichts. Dies trifft leider immer häufiger auf Online-Beiträge diverser Zeitungen und Zeitschriften zu. Ein neuer Tiefpunkt ist nun bei sueddeutsche.de zu finden. Ich kenne den Autor des Artikels Verstümmelte Meisterwerke nicht einmal vom Hörensagen, ginge es aber nach ihm, gäbe es keinerlei Entwicklungen im kulinarischen Bereich.

Zu den beliebtesten Angewohnheiten unbegabter wie auch mittelmäßiger Köche gehört das Nachmachen und Klauen von Ideen.

Ach was, Herr Lücke, es wird einfach etwas nachgekocht? Ganz, ganz mies. Man sollte Kochrezepte wohl am besten patentieren und nur der Erfinder sollte sie exklusiv nutzen dürfen. Oder wie stellen Sie sich das so vor? Natürlich wird nachgekocht, nachgemacht, imitiert. Sonst würde kaum etwas neues entstehen, wenn man dann aus Zutatenmangel einfach eine Ersatzzutat nimmt und so nach und nach ein Rezept verändert, um etwas neues zu kreieren. Stellen Sie sich vor, der erste Mensch, der sein Essen im Feuer erhitzte hätte sich erfolgreich gegen Imitatoren gewehrt. Es gäbe heute keine warmen Speisen. Nachmachen und Klauen von Ideen ist übrigens auch die Grundlage fast aller menschlicher Kultur. Wirklich originäre Ideen sind sehr rar und das meiste ist nur eine Weiterentwicklung und Abwandlung bestehender Dinge.

Seit fast jeder Spitzenkoch seine aktuelle Speisekarte im Internet listet, muss sich der faule oder untalentierte Kollege nicht mal mehr die Mühe machen, Kochbücher zu durchsuchen oder gar in fremden Lokalen zu essen.

Dafür muß man heute das Internet durchsuchen, was auch nicht einfacher ist, als Kochbücher zu druchwühlen. Man muß dafür nur nicht mehr die Wohnung verlassen.

Der Leidtragende ist der Gast, der in Tausenden von Restaurants das essen muss, was eigentlich anders gemeint war und besser gemacht werden sollte.

Wenn’s wirklich so schlecht ist, wie Herr Lücke meint, dann wird der Gast auch nicht wiederkommen. Es sei denn, für den Gast zählt mehr das Image des Restaurants. Oder der Gast ist Masochist wie wohl Herr Lücke, der sich trotz widriger Umstände, allgemeiner Nörgelsucht und Ekelgefühlen vor Modegewürzen scheinbar regelmäßig sein Essen in Tausenden von Restaurants abholt.

Auch mit anderen Modegewürzen wie Vanille, Chili oder eben Bärlauch verhält es sich ähnlich wie mit den Zubereitungsarten.

Oha, jahrhundertalte Gewürze wie Vanille und Chili sind Modegewürze? Da waren die Mittelamerikaner aber damals ihrer Zeit weit voraus. Abgesehen davon sollte es in einem guten Restaurant kein Problem sein, Alternativspeisen ohne Vanille, Chili, Bärlauch oder Zitronengras zu erhalten. Notfalls fragt man einfach die Bedienung. Aber dazu müsste Herr Lücke ja kommunizieren und nicht einfach nur seinen Sermon-Monolog ablassen. Außerdem kann ich nichts schlechtes daran erkennen, wenn man “Modegewürze” auf einmal fast überall kaufen kann.

Schokolade mit Chili, das ist etwas für Leute, die schon alles haben.

Nein, das ist eher eine Rückbesinnung auf klassische, mittelamerikanische Zubereitungsmethoden von Kakao.

Wohlklingend, aber genauso langweilig ist die Tonkabohne, die in Form von Pralinen und Eis seit gut einem Jahrzehnt die Kaffeebohne abgelöst hat.

Herr Lücke sollte sich vielleicht mal die Mühe machen, selbst etwas zu kochen oder ein Eis herzustellen. Langweilig sind Tonkabohnen ganz sicher nicht.
Selberkochen, Herr Lücke, ist übrigens die Alternative, wenn man des Auswärtsessens überdrüssig ist oder wenn man von den Kochkünsten anderer Leute, die eher der Massenabfertigung frönen, wenig hält.

Dem Kommentar von retx zum Pamphlet des Herrn Lücke ist übrigens nichts hinzuzufügen:

Es gibt da ganz hervorragende Restaurants, in denen auf den ganzen Deko- und Geschmacksschmarrn verzichtet wird. Da kann man sein Essen selbst holen und als einzige Gewürze gibt es Ketchup und Salz. Das gute daran ist, daß das dann noch auf der ganzen Welt gleich schmeckt. Das wär doch was für Sie, oder?

[Zur Illustration des Beitrags gibt’s ein paar Modegewürze und soon-to-be-Modegewürze bzw. -Lebensmittel. Von oben nach unten: Chilis, frischer, grüner Pfeffer, Pok Choi, Zitronengras, Kaffirlimettenblätter.]

Es geht auch immer etwas teurer

Sogenannte Premium-Marken haben oft Premium-Preise. Um zu erfahren, ob der persönliche Geschmack etwas mit dem Produkt X der Premium-Marke Y anfangen kann, muß man unter Umständen tief in die Tasche greifen. Beim oben abgebildeten Stück Lindt-Schokolade (Edelbitter Mousse Orange) musste ich einmal mehr feststellen, daß Lindt-Produkte oft nicht mein Fall sind. Diese Schokolade z.B. schmeckte mir zu fett und einfach nur mal eben mit Orangenöl aromatisiert. Die Alpenvollmilch Nuss fand ich vor Jahren eine Zumutung der Karamellindustrie und die Excellence 99% zeigte mir, daß ich doch ein wenig Zucker in meiner Schokolade schätze.
Die Investition in diese Schokoladen hielt sich zum Glück in Grenzen und Lindt produziert die Schokolade auch selbst (und es gibt durchaus einige Produkte von Lindt, die mir schon mal schmeckten).
Ganz im Gegensatz dazu Noka Chocolate aus Plano, Texas (USA). Mit ein wenig Marketinggefasel und spartanischem Design wird eine exorbitant teure Premium-Schokolade kreiert, die - wie nun dallasfood.org in einem sehr lesenswerten Artikel darlegt - wohl nur umgeschmolzene Schokolade des französischen Herstellers Bonnat zu sein scheint. Für das Umschmelzen und Verpacken verlangt Noka dann einen Aufschlag von bis zu rund 7000%. Manche Leute wollen einfach übers Ohr gehauen werden.

[via boinboing.net]


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