Pontischer Honig - auch als Tollhonig oder Gifthonig bekannt - wird mancher sicher noch aus dem Lateinunterricht bekannt sein. Plinius der Ältere berichtete im 21. Buch seiner Naturalis Historia davon:
Aliud genus in eodem Ponti situ, gente Sannorum, mellis, quod ab insania, quam gignit, maenomenon vocant. id existimatur contrahi flore rhododendri, quo scatent silvae. gensque ea, cum ceram in tributa Romanis praestet, mel, quoniam exitiale est, non vendit. et in Perside et in Mauretaniae Caesariensis Gaetulia, contermina Massaesylis, venenati favi gignuntur, quidamque a parte, quo nihil esse fallacius potest, nisi quod livore deprehenduntur. quid sibi voluisse naturam his arbitremur insidiis, ut ab iisdem apibus nec omnibus annis fierent aut non totis favis? parum enim erat genuisse rem, in qua venenum facillime daretur? etiamne hoc ipsa in melle tot animalibus dedit? quid sibi voluit, nisi ut cautiorem minusque avidum faceret hominem? non enim et ipsis apibus iam cuspides dederat et quidem venenatas, remedio adversus has utique non differendo? ergo malvae suco aut foliorum hederae perungui salutare est vel percussos eas bibere. mirum tamen est venena portantes ore fingentesque ipsas non mori, nisi quod illa domina rerum omnium hanc dedit repugnantium apibus, sicut contra serpentes Psyllis Marsisque inter homines.
Bei perseus.tufts.edu findet sich eine englische Übersetzung.
Aber schon um 400 v. Chr. war das Vergiftungspotential pontischer Honige bekannt:
Der vornehme Athener und Sokrates-Schüler Xenophon kämpfte 401 v. Chr. im Dienste des Kyros gegen Ataxerxes, verlor mit ihm die Schlacht von Kunaxa und organisierte mit großer Besonnenheit den Rückzug des griechischen Hilfsheeres entlang der Schwarzmeerküste. Nachdem die Griechen die feindlich gesinnten Kolcher in der Nähe von Trapezunt geschlagen hatten, nahmen sie in den umliegenden Dörfern Quartier. Es gab Honigwaben in Menge, und die Bewohner ließen die Soldaten ungewarnt davon essen. Die Folgen beschreibt Xenophon so: “Die Soldaten, die von den Honigwaben aßen, verloren alle die Besinnung, erbrachen und bekamen Durchfall, keiner von ihnen konnte sich aufrecht halten, sondern wer wenig gegessen hatte, glich einem völlig Betrunkenen, wer aber zu viel zu sich genommen hatte, Wahnsinnigen, einige sogar Sterbenden. So lagen viele auf dem Boden herum wie nach einer Niederlage, und es herrschte große Mutlosigkeit. Am nächsten Tag aber war keiner gestorben, und ungefähr zur selben Stunde kamen sie wieder zur Besinnung”. Das Heer konnte von Glück sagen: Die Kolcher hatten in dieser Zeit nicht angegriffen.
Anno 67 v. Chr. wiederholte sich in der gleichen Gegend das Spiel diesmal waren Soldaten des römischen Konsuls Gnaeus Pompeius Magnus nach dem Genuss von pontischem Honig kampfunfähig gewesen und wurden infolgedessen besiegt.
Pontisch ist das Adjektiv zu Pontos, einem antiken Königreich in Kleinasien:
Der Name Pontos bezeichnet ein größeres Gebiet im Nordosten des antiken Kleinasiens (der heutigen Türkei). Es grenzte an den Pontos Euxeinos (Schwarzes Meer), der bei den Griechen häufig einfach Pontos hieß. Die genaue Abgrenzung dieses so bezeichneten Gebietes schwankte von Zeit zu Zeit erheblich. Die Griechen benannten damit verschiedene Uferbezirke des Pontos Euxeinos.
Während man schon damals wusste, das bestimmte Rhododendron-Arten die Ursache dieser Vergiftungen waren, erkannte man natürlich erst Jahrhunderte später das verantwortliche Molekül, als man das polyhydroxylierte zyklische Diterpen Grayanotoxin (auch bekannt als Andromedotoxin, Acetylandromedol oder Rhodotoxin) entdeckte.
Honig kann u. U. auch toxische Stoffe enthalten, wie z. B. der pontische Honig der u. a. das atropinartig wirkende Andromedotoxin Grayanotoxin 1 enthält, das im Nektar von Blüten der Acalea pontica und des Rhododendron ponticum (Alpenrose) vorkommt. Entsprechende Vergiftungen sind aus der Türkei bekannt. Wenngleich auch Alpenrosen in unseren Breiten in Parks und Gärten angebaut werden, besteht kaum die Gefahr einer Vergiftung, da bei uns der Nektar solcher Pflanzen stark mit dem anderer verdünnt wird. Aus Neuseeland sind Vergiftungen durch solche Honige bekannt geworden, die den Nektar von der Tutapflanze (Coriaria arborea) enthalten. Die Giftwirkung ist auf Tutin und Melliotoxin (Hydroxytutin) zurückzuführen (26.1). 1 mg Tutin bewirkt bereits Übelkeit und Erbrechen.

Wie man an obiger Strukturformel erkennen kann, sind drei verschiedene Grayanotoxine bekannt. Grayanotoxin 1 erhöht die Natrium-Ionen-Ruhepermeabilität elektrisch erregbarer Membranen um mehr als das 10-fache und ruft u.a. Salivation, Diarrhoe, Erbrechen, Schweißausbrüche, Gleichgewichtsstörungen, Krampfanfälle, Atemstillstand, Erregungs- und Lähmungszustände, Rausch, selten Halluzinationen und Bradykardie bis hin zum Herzversagen hervor.
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Die Gewürznelke (Syzygium aromaticum, Eugenia caryophyllata, Caryophyllus aromaticus) gehört zur Familie der Myrtaceae (Myrtengewächse), eine Pflanzenfamilie, die sich durch terpenreiche ätherische Öle auszeichnet und zu der neben der Nelke auch Pimenta dioica (Piment, Allgewürz, Nelkenpfeffer, Neugewürz), Eugenia polyantha (Indonesischer Lorbeer) und natürlich Myrtus communis (Myrte) gehören.

Der Gewürznelkenbaum ist ein immergrüner Baum von 10-15 m Höhe mit lorbeerähnlichen, ledigrigen Blättern und weißen Blüten. Die Zweige bilden an ihren Enden ab dem sechsten Jahr bis etwa zum sechzigsten Jahr reichblütige Trugdolden. Geerntet werden die noch geschlossenen grünen Blütenknospen, die unter der Epidermis des unterständigen Fruchtknotens und des Kelches Öldrüsen enthalten. Nachdem die Knospen kurz in heisses Wasser getaucht wurden, läßt man sie an der an der Sonne oder am Feuer trocknen. Pro Baum können pro Jahr etwa 2-4 kg geerntet werden.
Der Nelkenbaum ist ursprünglich auf den Molukken heimisch, eine indonesische Inselgruppe zwischen Sulawesi und Neuguinea, die auch als Gewürzinseln bekannt waren. Interessanterweise werden die meisten Gewürznelken in ganz Indonesien heutzutage nicht verzehrt, sondern in Form von Nelkenzigaretten (Kretek) geraucht.

Die Qualität der Nelken kann man auf zweierlei Art feststellen. Sie sollten sich fettig anfühlen und Öl absondern, wenn man gegen ihren Stiel drückt. Man kann auch einen Schwimmtest durchführen und die Nelken ins Wasser werfen. Anders als beim mittelalterlichen Hexentest (sinkt die Deliquentin, war sie eine Hexe, schwimmt sie oben, war sie eine gute Frau), sinken hochwertige Nelken oder stellen sich zumindest senkrecht mit dem Köpfchen nach oben. Schlechte (mehr oder weniger entölte) Nelken schwimmen hingegen waagerecht auf der Wasseroberfläche.
Von 1963-1964 gab es sogar einen Kleinstaat, der zwei Nelkenknospen in der Staatsflagge führte, das Sultanat von Sansibar und Pemba.
70-85% des ätherischen Öls der Gewürznelken bestehen aus Eugenol (4-Allylguaiacol, 2-Methoxy-4-(2-propenyl)phenol [oder ist 2-Methoxy-4-(2-propen-1-yl)phenol doch die korrektere Bezeichnung nach IUPAC?], der Rest entfällt auf Eugenolacetat (rund 15%) und β-Caryophyllen (5-12%).
Aus Eugenol wurde übrigens bis vor etwa fünfzig Jahren Vanillin hergestellt. Erstmalig wurde 1896 das Eugenol isomerisiert zu Isoeugenol und durch Oxidation erhielt man Vanillin (4-Hydroxy-3-methoxybenzaldehyd, 4-Hydroxy-3-methoxybenzolcarbaldehyd):

Weitere, ausführliche Informationen zur Gewürznelke finden sich auf Gernot Katzers Gewürzseiten.
Die erste Zeichnung findet sich übrigens in dem Buch A Curious Herbal, die zweite Zeichnung stammt aus Franz Eugen Köhlers Medizinal-Pflanzen und das Photo ist eine eigene Aufnahme.
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