Litschi-Kaki-Eis

Die Litschi ist mittlerweile leider die Kiwi unseres Jahrzehnts geworden. Ich erinnere mich noch an meine ersten Litschis, die meine Mutter mir mitbrachte. “Oh toll, runzelige Reptilieneier mit Strunk” dachte ich beim ersten Anblick. Damals waren noch Kilopreise um die 20 DM/kg oder mehr zu zahlen. Kaum eine andere Obstsorte hat seit dem Preisverfall der Kiwis eine derartige Verbilligung erlebt. Mittlerweile gibt es das Kilo Litschis für unter 2 Euro, das sind noch nicht einmal 4 DM für die Älteren unter unseren Lesern. Es gab Zeiten, da kosteten auch Kiwis 1 DM, pro Stück wohlgemerkt.
Ähnlich preisgünstig sind derzeit Kakifrüchte oder deren israelische Neuzüchtungen, die Sharonfrüchte, käuflich zu erwerben.

Bei der Litschi verzehrt man übrigens den sogenannten Arillus:

Litchi chinensis (Litchipflaume, Sapindaceae): (I) Frucht. (II) Frucht nach Entfernung des Perikarps. (III) Frucht längsgeschnitten (ROHWEDER & ENDRESS 1983).

Ar Arillus.

Im Innern der Saftfrucht befindet sich ein braun glänzender Samen. Außen wird die Frucht begrenzt durch das rötlich gefärbte Perikarp, das recht dünn und nur wenig verholzt ist, trotzdem kann die Frucht aber als Nuss bezeichnet werden. Der saftige Anteil der Frucht wird gebildet durch einen Auswuchs der Samenschale (Arillus), der sich als Mantel um den Samen legt (Arillusfrucht).

Die Fruchtform der Kaki, Sharonfrucht oder Persimmon ist hingegen eine ordinäre Beere wie z.B. die Banane, Paprika, Stachelbeere oder Apfelsine.

Sowohl Litschis als auch Sharonfrüchte hatte ich gerade im Haus (beide mußten auch irgendwie weg), dazu noch Milch (mußte auch irgendwie weg), Marzipanrohmasse (die hält sich noch etwas), Walnüsse (müssen noch nicht wirklich weg) und Rum (der ist bald weg). Was liegt da näher als ein Litschi-Kaki-Eis herzustellen. Da ich beim Kochen und Backen gern improvisiere, sind die Angaben nur im Nachhinein geschätzt.
Eine sehr gute Handvoll Walnüsse werden karamelisiert. Dazu Vanillezucker (einfach Vanillekapselfrüchte längere Zeit in Zucker aufbewahren) und eine Mischung aus Zimt, Nelken, Piment und Cardamom in Wasser auflösen, in der Pfanne erhitzen. Sobald sich Blasen bilden, die zerhackten Walnüsse dazu geben und unter ständigem Rühren karamelisieren lassen. Wenn es dunkelbraun wird und zu rauchen anfängt, hat man leider den richtigen Zeitpunkt verpasst und muß von vorn beginnen.
Während die Walnüsse abkühlen, werden rund 500g Litschis geschält und entkernt. Zwei Kakis bzw. Sharonfrüchte schälen und das Innere kleinschneiden. Die Litschi-Kaki-Mischung wird nun mit rund einem guten Teelöffel Marzipanrohmasse püriert. Die pürierte Masse wird mit Milch in die Eismaschine gefüllt, wobei man die Maximalmenge der Eismaschine bei der Milchzugabe beachten sollte. Dann gibt man die Walnüsse hinzu, Rum nach Geschmack und läßt die Eismaschine rühren und kühlen. Je nach Modell hat man in 20-30 Minuten leckeres, erfrischendes Litschi-Kaki-Eis. Ein Bild liefere ich dann beizeiten mal nach, wenn ich dieses Eis zum zweiten Mal und bei Tageslicht herstelle. Heute war’s schon etwas dunkel und wenn ich das Eis mit Halogenstrahlern ausleuchte, schmilzt es nur unnötig. Jeder, der eine Eismaschine mit Kompressor hat, wird wissen, daß man das Eis am besten sofort nach Fertigstellung verzehrt, ansonsten wird es nur hart, wenn man es weiter gefrieren läßt, da die während des Rührens der Maschine hinzugefügte Luft entweicht. Deshalb finden sich in industriell hergestellten Eis auch Unmengen an Verdickungsmitteln und anderen Zusatzstoffen, um jederzeit eine gleiche Textur der Eismasse zu gewährleisten. Ganz abgesehen davon ist es eh Schmu, daß Eis in Millilitern bzw. Litern verkauft wird. Rührt man viel Luft rein, hat man ein großes Volumen bei geringer Ausgangsmenge und meist auch eine sehr gute Cremigkeit der Eismasse.

Pontischer Honig

Pontischer Honig - auch als Tollhonig oder Gifthonig bekannt - wird mancher sicher noch aus dem Lateinunterricht bekannt sein. Plinius der Ältere berichtete im 21. Buch seiner Naturalis Historia davon:

Aliud genus in eodem Ponti situ, gente Sannorum, mellis, quod ab insania, quam gignit, maenomenon vocant. id existimatur contrahi flore rhododendri, quo scatent silvae. gensque ea, cum ceram in tributa Romanis praestet, mel, quoniam exitiale est, non vendit. et in Perside et in Mauretaniae Caesariensis Gaetulia, contermina Massaesylis, venenati favi gignuntur, quidamque a parte, quo nihil esse fallacius potest, nisi quod livore deprehenduntur. quid sibi voluisse naturam his arbitremur insidiis, ut ab iisdem apibus nec omnibus annis fierent aut non totis favis? parum enim erat genuisse rem, in qua venenum facillime daretur? etiamne hoc ipsa in melle tot animalibus dedit? quid sibi voluit, nisi ut cautiorem minusque avidum faceret hominem? non enim et ipsis apibus iam cuspides dederat et quidem venenatas, remedio adversus has utique non differendo? ergo malvae suco aut foliorum hederae perungui salutare est vel percussos eas bibere. mirum tamen est venena portantes ore fingentesque ipsas non mori, nisi quod illa domina rerum omnium hanc dedit repugnantium apibus, sicut contra serpentes Psyllis Marsisque inter homines.

Bei perseus.tufts.edu findet sich eine englische Übersetzung.

Aber schon um 400 v. Chr. war das Vergiftungspotential pontischer Honige bekannt:

Der vornehme Athener und Sokrates-Schüler Xenophon kämpfte 401 v. Chr. im Dienste des Kyros gegen Ataxerxes, verlor mit ihm die Schlacht von Kunaxa und organisierte mit großer Besonnenheit den Rückzug des griechischen Hilfsheeres entlang der Schwarzmeerküste. Nachdem die Griechen die feindlich gesinnten Kolcher in der Nähe von Trapezunt geschlagen hatten, nahmen sie in den umliegenden Dörfern Quartier. Es gab Honigwaben in Menge, und die Bewohner ließen die Soldaten ungewarnt davon essen. Die Folgen beschreibt Xenophon so: “Die Soldaten, die von den Honigwaben aßen, verloren alle die Besinnung, erbrachen und bekamen Durchfall, keiner von ihnen konnte sich aufrecht halten, sondern wer wenig gegessen hatte, glich einem völlig Betrunkenen, wer aber zu viel zu sich genommen hatte, Wahnsinnigen, einige sogar Sterbenden. So lagen viele auf dem Boden herum wie nach einer Niederlage, und es herrschte große Mutlosigkeit. Am nächsten Tag aber war keiner gestorben, und ungefähr zur selben Stunde kamen sie wieder zur Besinnung”. Das Heer konnte von Glück sagen: Die Kolcher hatten in dieser Zeit nicht angegriffen.

Anno 67 v. Chr. wiederholte sich in der gleichen Gegend das Spiel diesmal waren Soldaten des römischen Konsuls Gnaeus Pompeius Magnus nach dem Genuss von pontischem Honig kampfunfähig gewesen und wurden infolgedessen besiegt.

Pontisch ist das Adjektiv zu Pontos, einem antiken Königreich in Kleinasien:

Der Name Pontos bezeichnet ein größeres Gebiet im Nordosten des antiken Kleinasiens (der heutigen Türkei). Es grenzte an den Pontos Euxeinos (Schwarzes Meer), der bei den Griechen häufig einfach Pontos hieß. Die genaue Abgrenzung dieses so bezeichneten Gebietes schwankte von Zeit zu Zeit erheblich. Die Griechen benannten damit verschiedene Uferbezirke des Pontos Euxeinos.

Während man schon damals wusste, das bestimmte Rhododendron-Arten die Ursache dieser Vergiftungen waren, erkannte man natürlich erst Jahrhunderte später das verantwortliche Molekül, als man das polyhydroxylierte zyklische Diterpen Grayanotoxin (auch bekannt als Andromedotoxin, Acetylandromedol oder Rhodotoxin) entdeckte.

Honig kann u. U. auch toxische Stoffe enthalten, wie z. B. der pontische Honig der u. a. das atropinartig wirkende Andromedotoxin Grayanotoxin 1 enthält, das im Nektar von Blüten der Acalea pontica und des Rhododendron ponticum (Alpenrose) vorkommt. Entsprechende Vergiftungen sind aus der Türkei bekannt. Wenngleich auch Alpenrosen in unseren Breiten in Parks und Gärten angebaut werden, besteht kaum die Gefahr einer Vergiftung, da bei uns der Nektar solcher Pflanzen stark mit dem anderer verdünnt wird. Aus Neuseeland sind Vergiftungen durch solche Honige bekannt geworden, die den Nektar von der Tutapflanze (Coriaria arborea) enthalten. Die Giftwirkung ist auf Tutin und Melliotoxin (Hydroxytutin) zurückzuführen (26.1). 1 mg Tutin bewirkt bereits Übelkeit und Erbrechen.

Wie man an obiger Strukturformel erkennen kann, sind drei verschiedene Grayanotoxine bekannt. Grayanotoxin 1 erhöht die Natrium-Ionen-Ruhepermeabilität elektrisch erregbarer Membranen um mehr als das 10-fache und ruft u.a. Salivation, Diarrhoe, Erbrechen, Schweißausbrüche, Gleichgewichtsstörungen, Krampfanfälle, Atemstillstand, Erregungs- und Lähmungszustände, Rausch, selten Halluzinationen und Bradykardie bis hin zum Herzversagen hervor.


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